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Albert Rupprecht MdB beim Politischen
Stammtisch
im Gasthof zum Reichsapfel
Thematisch zweigeteilt war unser Politischer Stammtisch im
Februar. Während der Albert Rupprecht über die aktuelle
Bundespolitik referierte, leitete Stadtrat Rudi Lang
anschließend die Diskussion zu kommunalpolitischen Neustädter
Themen. Nach der Begrüßung bat CSU Ortsvorsitzender Werner Ohla
den Abgeordneten zu erklären, warum die Finanzkrise so plötzlich
hereingebrochen ist und welche Maßnahmen die Bundesregierung
dagegen unternimmt.
Zwei Ursachen sieht Albert Rupprecht für die jetzige Situation.
Zu einem wurde besonders von der amerikanischen Notenbank viel
Geld in die Wirtschaft gepumpt und damit ein richtiger
Kaufrausch ausgelöst. Besonders der Kauf von Immobilien wurde
dabei fast ohne Sicherungen ermöglicht. Zum anderen haben viele
Banker die Grundregeln des Bankwesens verletzt und in der Gier
nach Umsatz viele Finanzpakete gekauft, die eigentlich nur
„Schrott“ waren. Auch haben die Ratingagenturen gravierende
Fehler gemacht. In diesem Zusammenhang forderte der Referent,
der kürzlich zum Chef des Bundestags-Kontrollgremiums für den
Banken-Rettungsfonds ernannt wurde, dass Chance und Risiko auch
bei Bankmanagern zusammengeführt werden muss. Auch müssen
falsche Ratings in Zukunft Konsequenzen haben.
„In einem beispiellosen Kraftakt haben wir parteiübergreifend
einen Zusammenbruch des Zahlungswesens durch einen
Rettungsschirm für die Banken verhindert“, erklärte der
CSU-Finanzpolitiker. „Jeder Euro, der hier bereitgestellt wird,
ist eine Hilfe für Frau Müller oder Herrn Meier und nicht für
Herrn Ackermann“, betonte Albert Rupprecht. Ohne ein staatliches
Eingreifen wäre es zu einer Katastrophe gekommen - massenhaft
wären Arbeitsplätze verloren gegangen, die sozialen
Sicherungssysteme wären zusammengebrochen und der Wohlstand wäre
in Gefahr. Jeder der sagt, das 480-Milliardenpaket hätte es
nicht gebraucht, man hätte diese Banken an die Wand fahren
lassen sollen, spielt mit dem Feuer. Doch der Sturm ist noch
nicht vorbei. Fast schon täglich muss neu entschieden werden, wo
ist die nächste Klippe, wie geht es weiter.
Momentan mache die Hypo Real Estate richtig Sorgen. Diese Bank
ist systemrelevant, das heißt sie ist vernetzt mit anderen
Banken, der Wirtschaft und sogar mit Ländern. Die
Volks-Raiffeisenbanken und Sparkassen der Region,
Lebensversicherer, Sozialversorgungssysteme und sogar die
Kommunen sind hier involviert. Ein Konkurs könnte eine Lawine
auslösen, die sogar Staaten in ein Finanzdesaster stürzen würde.
Deshalb müsse diese Bank gestützt werden. Albert Rupprecht
verglich die Lage mit dem Flug eines defekten Flugzeugs, das so
gelandet werden müsse, dass zumindest die Passagiere überleben
werden. Alle finanztechnischen Möglichkeiten werden momentan
untersucht und als letzte Möglichkeit sehe er dann eine
Übernahme durch den Staat, was einer Enteignung gleichkommt.
Allerdings sind die Eigentümer eigentlich schon enteignet, denn
ihre Einlagen bei der Bank sind heute nichts mehr wert.
Die SoFFin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) hat eine
Finanzplanung für die Hypo Real Estate vorgelegt, die bei einer
Enteignung vorsieht, dass innerhalb von zehn Jahren die
gegebenen zehn Milliarden Euro zurückerwirtschaftet werden und
sich der Staat dann wieder zurückziehen könne. Albert Rupprecht
gestand, er wäre froh, wenn dies so geschehen würde. Von den
bereitgestellten 480 Milliarden des Bankenrettungsschirmes sei
bis jetzt noch nichts ausgegeben, da es sich hier ja meist nur
um Bürgschaften handelt. Im Gegenteil, momentan seien sogar
durch die anfallenden Gebühren 100 Millionen auf dem Pluskonto
gut geschrieben. Wie dies später ausschauen wird, ist zurzeit
nicht vorhersehbar. Auf jeden Fall sollen bei Defiziten die
Verursacher, also die Banken, zur Rechenschaft gezogen werden
und die Zeche zahlen. So ist es in der Gesetzesbegründung
formuliert.
Diskussion
über
Neustädter Themen
Im zweiten Teil des Politischen Stammtisches der Neustädter CSU,
den Stadtrat Rudi Lang leitete, konnten die anwesenden Bürger
ihre Meinung zu kommunalpolitischen Neustädter Themen kund tun.
CSU Ortsvorsitzender Werner Ohla informierte zunächst über das
Konjunkturpaket II der Bundesregierung. 1,96 Milliarden Euro
stehen davon für Bayern zur Verfügung. Mit einer Verbesserung
der örtlichen Infrastruktur soll die Wirtschaft angekurbelt
werden. Deshalb müssen die Projektanträge noch im März
eingereicht werden. Der CSU Ortsversitzende forderte, wegen des
Zeitdrucks im Stadtrat eine Arbeitsgruppe zu bilden, die bis zur
nächsten Stadtratssitzung Vorschläge für diese Förderung
ausarbeiten soll. Bürgermeister Wolfgang Haberberger berichtete,
dass die Bürgermeister der Region kürzlich vom Leiter der
Bayerischen Staatskanzlei Siegfried Schneider bei einem Termin
in Regensburg auch über dieses Förderprogramm informiert wurden.
Dort habe er erfahren, dass der Eigenanteil für finanzschwache
Kommunen nur zehn Prozent betrage.
Als mögliche Maßnahmen wurden dann von der Versammlung eine
energetische Verbesserung der Schule, des Rathauses und des
Feuerwehrhauses Mockersdorf diskutiert. Eine Umrüstung der
Straßenbeleuchtung auf energieeffiziente Dimmtechnik soll auch
untersucht werden. Eine Förderung des Bauhofneubaus durch das
Konjunkturprogramm II ist nicht möglich, da nur neue Maßnahmen
unterstützt werden und für den Bauhof schon Mittel im Haushalt
vorgesehen sind. Bei der Diskussion über dessen Standort waren
zunächst alle Redner für den Verbleib an der jetzigen Stelle.
Als jedoch Bürgermeister Wolfgang Haberberger ansprach, dass es
einen Kaufinteressenten für dieses Grundstück gibt, war man sich
einig, dass die Kosten letztendlich als Entscheidungskriterium
herangezogen werden sollten.
Zum LEADER-Programm gab es von der Versammlung keine neuen
Vorschläge. Wolfgang Haberberger informierte, dass eine
Arbeitsgruppe sich kürzlich mit diesem Thema beschäftigt hat.
Einigkeit herrschte in diesem Gremium, dass Neustadt mit dem
Rauhen Kulm werben solle und deswegen die Ausgrabungen am
Kulmkegel und ein eventuelles Ausstellungsgebäude für die Funde
als Neustädter Maßnahme eingereicht werden soll. Hierzu muss bis
zur nächsten Sitzung überprüft werden, ob eventuell ein leer
stehendes Gebäude am Marktplatz für diesen Zweck geeignet wäre.
Ein Wiedereinstieg in die Städtebauförderung und eine damit
verbundene Aufwertung des Marktplatzes war für Stadtrat Rudi
Lang ein wichtiges Thema der Zukunft. Davon würden nicht nur die
Anlieger profitieren. Der anwesende Kämmerer der VG Pressath
Josef Stock bestätigte, dass bei der Pressather
Altstadtsanierung auch Maßnahmen von privaten
Grundstücksbesitzern mit gefördert wurden.
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